Wasserwirtschaftsamt
Ingolstadt

Spatenstich

Donauauen:

Eines der größten zusammenhängenden Auengebiete Europas wird dynamisiert

Glänzender Auftakt ...

Der Startschuss zur Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt fiel am 21. November 2005 am Schloss Grünau bei Neuburg a. d. Donau. Nach jahrelangen Vorarbeiten setzte Herr Staatsminister Dr. Werner Schnappauf beim Spatenstich das Bohrgerät zur Erstellung der Beweissicherungspegel in Gang. Damit begann die Realisierung eines der größten bayerischen gewässerökologischen Projekte.

Staatsminister Dr. Werner Schnappauf + Staatsminister Dr. Werner Schnappauf beim Bedienen des Bohrgerätes
Zu diesem Anlass konnte der Amtsleiter des Wasserwirtschaftsamts Ingolstadt, Baudirektor Karl Deindl, neben seiner königlichen Hoheit Herzog Franz von Bayern, dem Hausherrn des Schlosses Grünau und Chef des Hauses Wittelsbach, auch zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft begrüßen.
Start des Projektes
+Minister Dr. Werner Schnappauf, seine königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern, Landrat Dr. Richard Kessler (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) und Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann freuen sich über den gelungenen Start des Projektes

Nach getaner Arbeit war in den ehrwürdigen Räumen des Schlosses für das leibliche Wohl bestens gesorgt und die Jagdhornbläser Neuburg trugen dazu bei, dass auch das graue Novemberwetter die gute Stimmung dieses Tages nicht beeinträchtigen konnte.

Ökologisch wertvolle Auen ...

Zwischen Ingolstadt und Neuburg a.d. Donau befinden sich noch Relikte der einstmals großartigen und wilden Flusslandschaft der Donau: zusammenhängende Auwälder (ca. 2.100 ha), ehemalige Flussschleifen und Altwasserbereiche, im Volksmund „Lohen“ genannt. Ein breites Spektrum verschiedenster Lebensräume befindet sich in dieser schützenswerten Landschaft und ist aus diesem Grunde für den Arten- und Biotopschutz zum langfristigen Erhalt vieler Arten besonders wichtig. Die Donauaue in diesem Gebiet zählt aufgrund des ausgedehnten Auwaldbestandes und des Artenreichtums aus ökologischer Sicht zu den bedeutendsten Abschnitten an der gesamten Donau und ist eines der letzten und größten zusammenhängenden Auwaldgebiete Mitteleuropas.

Durch enormes Siedlungswachstum in den letzten Jahrzehnten sind die noch verbliebenen Auwaldbereiche und Lohenstrukturen allerdings einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Außerdem ging durch die Stauregulierung des Flusses mit dem Bau der Staustufen Bergheim und Ingolstadt die natürliche Dynamik weitgehend verloren. Überflutungen der Aue treten erst ab einem 5-jährlichen Hochwasserereignis auf.

Jahrelange Vorarbeiten ....

Der Startschuss für das Vorhaben fiel 1995 durch das Auenkonzept und Lohenprogramm der Stadt Ingolstadt, das den Erhalt und die Wiederherstellung der ehemaligen Altarme von Donau und Sandrach im südlichen Stadtgebiet von Ingolstadt zum Ziel hatte. Aufgrund seines herausragenden Ansatzes sowie seines innovativen und beispielhaften Charakters wurde das Lohenprogramm als weltweites Projekt im Rahmen der EXPO 2000 in Hannover ausgewählt.

Aufbauend auf dem Lohenprogramm erstellte das Auen-Institut Rastatt des Worldwide Fund of Nature (WWF) auf Initiative der Stadt Ingolstadt 1997 eine Machbarkeitsstudie zur Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt.

Als Ergebnis dieser Studie wurde 1999 an der Regierung von Oberbayern eine Projektgruppe gegründet, die die grundlegenden Vorgaben für das größte Renaturierungsprojekt in Bayern erarbeitete. Diese bestand aus Fachleuten der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes, der Fischerei, Vertretern der Stadt Ingolstadt und des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, der E.on Wasserkraft und dem größten Grundstückseigentümer im Planungsgebiet, dem Wittelsbacher Ausgleichsfond. Besonderer Wert wurde dabei auf eine detaillierte Bestandserhebung der wasserwirtschaftlichen, naturschutzfachlichen und forstwirtschaftlichen Gegebenheiten gelegt.

Jetzt wird’s ernst ...

Ab 2003 erstellte das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt als Bauherr federführend die Planungsunterlagen. Mit einem 2-d-Strömungsmodell und einem Grundwassermodell wurden zahlreiche Lastfälle simuliert und die Auswirkungen aufgezeigt. Umwelt- und FFH-Verträglichkeitsprüfung waren wesentliche Schwerpunkte der Untersuchungen, wobei sich insbesondere die Lage in einem FFH-Gebiet als problematisch erwies. Aber auch diese Thematik konnte letztendlich zufriedenstellend gelöst werden.

Die Planungsphase wurde 2005 mit dem Wasserrechtsverfahren und dem Planfeststellungsbeschluss beendet.

Ziele:

Ziel ist es, die Durchgängigkeit der Donau wieder herzustellen, die Quervernetzung von Fluss und Aue zu verbessern und durch ökologische Flutungen in Teilbereichen wieder auetypische Lebensräume zu schaffen. Der Inhalt des Projekts trägt somit zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie bei.

Umgehungsgewässer
+Umgehungsgewässer

Außerdem entspricht das Projekt den Zielen des vorbeugenden Hochwasserschutzes aus dem Hochwasserschutzprogramm 2020 der Bayerischen Staatsregierung. Bei kleineren Hochwässern erfolgt die Reaktivierung zusätzlicher Retentionsräume.

Details ...

Um die Durchgängigkeit wieder herzustellen wird in den südlichen Stauhaltungsdamm des Kraftwerks Bergheim ein Ausleitungsbauwerk für eine ausleitbare Wassermenge bis zu 5 m³/s integriert. An das Bauwerk schließt ein neues Gewässer an, das durch den angrenzenden Auwald fließt und nach ca. 4 km auf den bestehenden Zeller Kanal triff. Dieser mündet anschließend in die Donau. Zusätzlich wird eine zweite Anbindung an die Donau geschaffen.

Das gesamte Umgehungsgewässer hat eine Länge von ca. 8 km.

Durch einen Fischpass wird das neue Umgehungsgewässer außerdem mit dem Längenmühlbach verbunden, der unterhalb der Staustufe Bergheim in die Donau mündet. Damit wird eine weitere Fischaufstiegsmöglichkeit an der Staustufe Bergheim geschaffen.

Um die bestehende Infrastruktur sicherzustellen müssen im Rahmen des Projekts mehrere Brücken und Furten gebaut werden. Diese gewährleisten, dass die bisherigen Wegeverbindungen im Auwald weiterhin benutzt werden können und Bewirtschaftungserschwernisse minimiert werden.

Im rechten Damm des Kraftwerks Bergheim befindet sich bereits ein Überlaufwehr, über das ab einem 5-jährlichen Hochwasser in der Donau (ab 1.300 m³/s) Wasser in die Aue fließt. Dieses Wehr wird so umgebaut, dass bereits bei einem wesentlich kleineren Abfluss Wasser in die Aue ausgeleitet werden kann. Diese ökologischen Flutungen führen zu einer Überschwemmung von über 50 ha Auwald. Im gefluteten Bereich soll die forstliche Nutzung eingestellt werden, so dass sich wieder natürlicher Auwald mit den darin vorkommenden standorttypischen Lebensräumen bilden kann. Die ökologischen Flutungen sollen bei einem Abfluss in der Donau von 600 – 1.000 m³/s stattfinden und jeweils mehrere Tage dauern und somit die früher natürlichen Überschwemmungen in Teilbereichen der Aue nachahmen.

Fachliche Betreuung ...

Die Umsetzung des Projektes wird intensiv von den Fachstellen Wasserwirtschaft, Naturschutz, Fischerei und Forstwirtschaft betreut. Außerdem wurde vom Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in Zusammenarbeit mit der Kath. Universität Eichstätt ein Aueninstitut ins Leben gerufen, das die Auswirkungen auf die Aue wissenschaftlich begleitet. Ein Förderverein trägt dazu bei, dass für die Auenforschung stets ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden können.

Wer finanziert es ...

Die Gesamtkosten für das Projekt betragen ca. 15 Mio. € und setzen sich aus ca. 11 Mio. € Bau-, 3 Mio. € Entschädigungskosten und 1 Mio. € für Monitoring zusammen. Diese werden vom Freistaat, der Europäischen Union und dem Bayerischen Naturschutzfond bereitgestellt. Außerdem beteiligen sich die Stadt Ingolstadt und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit jeweils 150.000 Euro am Projekt.

Ziel erreicht ...

Der erste Bauabschnitt wurde im August 2007 abgeschlossen. Das Bauzeitende ist im Frühjahr 2010. Nach einer Bauzeit von 3 Jahren wird somit der Auwald wieder zu neuem Leben erwachen.